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Vom Unvermögen als Leser zu lesen

Für jemanden, der Bücher nicht nur liebt sondern sie auch selber schreibt, rede ich sehr selten darüber was ich im Moment lese, nicht wahr?
Das liegt aber nicht daran, dass ich wenig lese – die letzten Monate ist es sogar bedeutend mehr geworden – sondern eher daran, dass ich meine Meinung zu den Büchern nicht unbedingt preisgeben möchte. Aber warum? Was ist so schlimm daran, dass ich mich nicht nur davor scheue sondern es vollkommen meide?

Im Moment lese ich vermehrt deutschsprachige Originale – Young Adult Werke deutschsprachiger Autoren genauer gesagt. Zu einem Großteil nicht nur weil es leichte Lektüre ist im Kontrast zu vielen anderen Büchern, die ich oft parallel lese (ich lese ausgesprochen selten nur ein Buch), sondern auch als Recherche was das Genre und die populären (Klein-)Verlage betrifft.
Wie einige von euch wissen habe ich einen YA Kurzroman in der Schublade, der davon träumt ein wenig an Gewicht zulegen zu dürfen damit er sich in absehbarer Zeit auf die Suche nach einem Zuhause begeben kann. (Ja, Amy, deine Bitte nach „mehr“ wird erhört und ich hoffe, du wirst die neuen Szenen/Ideen genauso sehr lieben wie ich!)
Ich lese also YA um mich näher an ein Genre heranzutasten, von dem ich nie erwartet hätte, dass ich es schreiben würde bis.. nunja, bis ich (im Zuge einer Ausschreibung) einen YA Kurzroman geschrieben habe. 😉

Nun ist es aber so, dass ich ausgesprochen kritisch bin und das eben nicht nur wenn es meine eigenen Geschichten betrifft. Dazu kommt auch, dass ich Werke von AutorInnen lese, die teilweise eine recht große Fangemeinde haben, Leser, die diese Bücher begeistert verschlingen und dann sitze ich da und denke mir Sachen wie: Ist da wirklich ein Lektor (mehrfach) drüber gegangen? Und damit meine ich nicht einmal gröbere Schnitzer sondern ungeschickte Formulierungen, die so leicht zu bereinigen wären. Sätze, die richtig schön sein könnten wenn sie sanft poliert werden würden. (Manchmal ist es nur ein einziges Wort, das meiner Meinung nach(!) den Lesefluss stört.)

Warum also äußere ich mich dazu nicht? Nun, klang der letzte Absatz in euren Ohren zumindest ein kleines Bisschen arrogant? Wahrscheinlich schon, denn ich habe mich unwohl gefühlt ihn zu tippen. Ich weiß, es ist nur meine Meinung. Ich weiß, dass ich als Autor anders lese als der „normale“ (und meist nicht schreibende) Leser. Ich weiß, dass ich nicht (mehr) zur Zielgruppe gehöre. Und trotzdem.. Als Autor andere AutorInnen zu kritisieren kann nur zu einer Handvoll verschiedener Reaktionen führen..
– Du bist ja nur eifersüchtig! (Klar, auf den Erfolg definitiv…und den gönne ich den AutorInnen auch, trotzdem müssen mir die Bücher nicht gefallen?)
– Machs doch besser! (Das tue ich meiner Meinung nach wenn ich einen Text zum xten Mal überarbeite und versuche das Maximum heraus zu holen)
– Dann lies es halt nicht! („Muss“ ich aber zu Recherchezwecken)
– Das ist deine Meinung und sie ist legitim aber mir gefällt es trotzdem! (danke, ich wünschte diese Reaktion wäre häufiger!)
– Was gefällt dir denn nicht? (Entweder ein interessierter Leser oder im Idealfall ein Autor, der weiß, dass kein Buch je perfekt ist)

Und zum letzten Punkt .. wenn mich wer nach meiner Kritik fragt, dann sollte derjenige darauf vorbereitet sein sie auch zu bekommen. Meine Kritik ist nichts für Zartbesaitete. Fragt mal I. Jakobs, wie ihre Geschichten meistens aussehen nachdem ich mit dem Rotstift zugange war. (Aber keine Sorge sie zahlt mir das in gleicher Münze zurück und ich bin ihr für ihre Skrupellosigkeit sehr dankbar! ❤ )

Klinge ich mittlerweile so richtig arg arrogant? Ja? Wundert mich nicht, denn so fühle ich mich oft wenn ich über Bücher rede, die mir nicht gefallen haben. Ich lege nicht nur an meine eigenen Werke eine hohe Messlatte an sondern erwarte das auch von anderen. In dieser Erwartungshaltung werde ich eben oft enttäuscht und damit muss ich leben.

Aber dann stellt sich mir wiederum eine ganz andere Frage: So wie ich schreibe und was ich schreibe.. erreiche ich damit trotzdem die Zielgruppe? Oder sind die Dinge, die mir in vielen Büchern nicht gefallen eben jene Punkte, die erwartet und gemocht werden?
Klischees was Handlung und/oder Charaktere betrifft bestehen nunmal nicht ohne Grund – Leser fühlen sich in einem Buch schneller zuhause wenn sie die Geschichte im Prinzip schon kennen. Verständlich. Aber einen Roman nach diesem Schema zu schreiben lässt sich mit meinen Ideen nicht vereinbaren, ich spiele lieber mit den Klischees und stelle sie ein wenig auf den Kopf.
Wie sieht es aber mit dem Schreibstil aus? Eine Frage der Perspektiven, der Erzählzeit und generell des Stils des Autors.. auch hier unterscheide ich mich von Gemeinsamkeiten, die ich bei den meisten dieser Bücher gesehen/gelesen habe. Special Snowflake Syndrom? Oder eher eine Autorin, die fürchtet einen Roman für ein Genre zu schreiben, in das sie nie passen wird?

Ich bin jetzt ein wenig vom Thema abgekommen aber ich hoffe, ich habe dennoch eine halbwegs brauchbare Erklärung abliefern können warum es so gut wie keine „fremden“ Bücher auf meinem Blog oder meiner Autoren-Seite gibt. Ich will niemandem mit ungefragter(!) Kritik zu nahe treten und keine Fan-Heerscharen gegen mich aufbringen.

Wie seht ihr das?
Findet ihr es merkwürdig wenn Autoren Bücher anderer besprechen ohne in regelrechte Lobeshymnen auszubrechen?
Passt für euch Autor und Buchblogger zusammen oder sollten diese beiden Bereiche (mehr oder weniger) streng getrennt bleiben?
Schreibt ihr selbst Rezensionen und wenn ja, lasst ihr euch davon beeinflussen wie beliebt ein Buch ist?

 

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[Drabble] Von Zeitdruck und Belohnungen

Der heutige Wunsch kam mal wieder von der unfassbar talentierten I. Jakobs und lautete: Stress, Vaseline, eine Schreibtischlampe.

Angespannt massierte Mira ihre Schläfen und wischte noch schnell ihre Hand am Hosenbein ab ehe sie die Schreibtischlampe einschaltetete und sich vor ihrem Skizzenbuch niederließ. 45 Minuten hatte sie Zeit. Das musste für einen ersten Entwurf reichen, oder?
Mira starrte die leere Seite an und widerstand dem stressbedingten Drang an ihrem Stift herumzukauen. Doch ohne Deadlines und zeitliche Vorgaben bekam sie erst recht nichts auf die Reihe. Sie atmete tief durch. 45 Minuten Einwirkzeit. Immerhin hatte sie dieses Mal daran gedacht Vaseline auf Ohren und entlang des Haaransatzes aufzutragen. 45 Minuten konzentriertes Arbeiten und dann zur Belohnung eine neue Haarfarbe.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 14. September 2017 in Allgemein, Drabble, interaktiv, kurzgeschichte, schreiben

 

Auf ein Neues…

Ein Blogpost, der kein Drabble ist? Was ist denn bitte hier los?
Nun, es hat sich die letzten Wochen und Monate einiges angesammelt, das nicht recht in einen Facebook-Beitrag passen möchte und deswegen wird es wohl in nächster Zeit das eine oder andere Lebenszeichen geben, das nicht nur aus genau 100 Worten besteht!

Warum aber beginne ich nicht gleich mit einem meiner geplanten Posts sondern schicke diese Ankündigung hier voraus? Zum Einen damit ihr euch darauf einstellen könnt (Hah!) und zum Anderen weil ich mir schon bei einem der angefangenen Blog-Beiträge unsicher bin wie er denn ankommen wird und ob ich ihn auch tatsächlich online stellen soll. Ein weiterer Grund ist allerdings auch jener, dass ich euch einen Überblick darüber geben möchte welche Themen ich anschneiden möchte und euer Interesse/Desinteresse wird definitiv einen Effekt darauf haben in welcher Reihenfolge ich mich den einzelnen Beiträgen widmen werde.
Es ufert hier aber bereits jetzt aus und um dem Einhalt zu gebieten braucht es nun etwas Struktur in der Themenübersicht:

  1. Arroganz
    Auf meinem privaten Instagram habe ich neulich ein Foto der Liste jener Bücher gepostet, die ich 2017 bisher gelesen habe. Auf meiner Autorenseite würde ich das nie tun. Doch warum? Warum rede ich „offiziell“ so wenig über Bücher, die ich im Moment lese und warum spielt meine Furcht arrogant und/oder herablassend zu wirken in diesem Zusammenhang so eine große Rolle?

  2. Social Media Noob
    Über meine Schwierigkeiten was die Nutzung der sozialen Medien als Autor angeht, sowohl in Hinsicht auf Selbstvermarktung als auch Networking – und wie ich versuche etwas dagegen zu unternehmen.

  3. Foto Challenge
    Ich habe seit einer gefühlten Ewigkeit ein Buch mit 52 Foto Challenges zu Hause liegen und dieses würde ich gerne vorstellen und von meinem Plan erzählen in etwa jede Woche das Ergebnis einer neuen Challenge zu posten.

  4. NaNoWriMo 2017
    Dieses Jahr habe ich (mal wieder) die Idee mal etwas dezent anderes zu versuchen, dazu bräuchte ich aber Unterstützung von außen. Noch will ich nicht zu viel verraten aber es ginge ein wenig in die Richtung abgespecktes „Choose your own Adventure“. Jedenfalls wäre die anfängliche Frage – bevor ich das eigentliche Konzept vorstelle – ob überhaupt einige Leute während des Novembers Zeit und Lust hätten sich aktiv zu beteiligen.

  5. Diverses
    Hier sammeln sich weitere vage Ideen, die zu Blogbeiträgen werden könnten – wie etwa die Möglichkeit meinen Passion Planer vorzustellen (Was ist das? Wie verwendet man ihn? Was bringt das?) oder etwas Transparenz in meinen Arbeitsprozess zu bringen nun da ich versuche meinen Young Adult Kurzroman zu einem ausgewachsenen Roman umzuschreiben.

Uff, ich hoffe ich habe euch nicht komplett erschlagen oder verschreckt, denn ich würde mich sehr über Feedback freuen 🙂

 

 

[Drabble] Von Ballons und Erinnerungen

Die heutigen Worte kamen von Yves Rien und lauteten “Ballon – Wind – Haare”.
Nun, wer kann erraten welches Buch ich im Moment mal wieder lese? 😉

Bodennaher Nebel waberte im Wind. Er beschleunigte seine Schritte, die ihn nach Hause führen sollten. Kaum hörbares Kinderlachen in der Ferne, die feinen Haare an seinem Nacken stellten sich auf. Hatte er dies schon einmal erlebt? Vor vielen Jahren…
Für einen Moment hatte er inne gehalten, nun löste sein Körper sich aus dieser Starre. Zuhause angekommen würde die Haustür alle Geräusche aussperren. Nur noch wenige Straßen…
Erst sah er sie nur aus dem Augenwinkel, die Gestalt, die sein Verstand am liebsten ausgeblendet hätte. Es war wieder da und es hielt seine Luftballons, die gegen den Wind in seine Richtung schwebten.

Langsam aber sicher gehen mir mal wieder die Drabble-Wünsche aus und ich würde mich sehr freuen wenn mir der eine oder andere von euch helfen würde.

 

[Drabble] Von Missverständnissen und Hitzeschäden

Der heutige Wunsch kam mal wieder von Nathalie Tassotti und lautete: Osterei, Hotpants, Blumentopf.
 
„Irgendwo muss es doch sein!“ Sara stand Schweiß auf der Stirn, selbst in Hotpants und Tanktop war ihr schwindelerregend heiß.
„Was suchst du?“ fragte Oli.
„Das letzte Osterei!“ erklärte Sara während sie in einem großen Blumentopf wühlte.
„Im August?“
„Ja“, rief Sara verzweifelt aus. „Milo meinte vorhin, dass er das letzte einfach nicht findet. In dieser Hitze fängt das doch zu stinken an!“
Oli schmunzelte. „Hat er wirklich das deutsche Wort Osterei verwendet?“
Sara schüttelte den Kopf.
„Saß er dabei zufällig auf der Couch und hatte einen Controller in der Hand?“
Sara nickte.
„Die Hitze tut dir nicht gut, oder?“

Funktioniert euer Gehirn bei Hitze auch nur bedingt? 😉
 

[Drabble] Von Anleitungen und Fehlschlägen

Zurück aus dem Urlaub und natürlich auch ein Drabble im Gepäck. Diese Woche kam der Wunsch von Amy Nika Astra und lautete „Untier – Wasser – Luftballons
 
“Verdammt!” Er fluchte lautstark und nahm einen großen Schluck aus seinem Whiskyglas. Warum bekam er es einfach nicht hin? Er hatte es doch genauso wie im Video gemacht!
“Sieht das hier aus wie ein Schmetterling?” zog er nun auch Lena in sein Dilemma und die Kanten seiner Worte waren vom Whisky weichgespült.
Lena verzog das Gesicht. „Entweder wie ein Schmetterling nach einem atomaren Unfall oder wie ein andere Art von Untier…“ Nun fiel ihr Blick sein Glas. „Vielleicht solltest du lieber auf Wasser umsteigen?“
Noch immer war die pausierte Anleitung auf seinem Laptop zu sehen. „Luftballon-Tiere für Anfänger“, von wegen!
 
 

[Drabble] Von Herzbuben und Herzschmerz

Der heutige Wunsch kam mal wieder von der reizenden Sandra Washausen und lautete “Jazzmusik – nachdenklich – Spielkarten”. Während des Schreibens lief allerdings nicht Jazz sondern Steven Wilson, die Gänsehaut war aber dennoch vorhanden.

Ein Ring aus Kondenswasser auf der Tischplatte. Der Kellner hat ihren leeren Tom Collins mitgenommen, sie will (braucht) keinen weiteren.
Die Band nimmt sie nur unbewusst wahr. Gänsehaut ziert ihre Arme als Reaktion auf Jazzmusik, die ihre Stimmung so passend untermalt, dass sie nicht Teil dieser Realität sein kann.
Ein vergessenes Deck Spielkarten, das sichtlich einiges mitgemacht hat. Ihre Hand spielt mit dem Herzbuben. Ein Riss geht durch die Karte, nachdenklich fährt sie mit einem Finger darüber.
Vor nicht allzu langer Zeit hätte sie einen weiteren Drink bestellt, doch das war gewesen bevor ihr Herzbube sein wahres Gesicht gezeigt hatte.